Verhaltensregeln im Stadtbus

Jeder kennt es, niemand mag es: Das Warten im Buss, am besten noch im Stehen. Jeder sucht nach einem Punkt auf den er starren kann, am besten aus dem Fenster, oder auf ein paar billige Schuhe am Boden. Doch nicht immer fällt es so leicht, die Ruhe zu bewahren und sich abzulenken. Damit Ihnen das in Zukunft nicht mehr passiert, reichen wir heute eine Liste der Methoden zur erfolgreichen Absolvierung einer Buswartezeit ein:

Methode 1: Sich einen Fixpunkt suchen

Die gängigste, und am leichtesten zu erlernende Methode, die Wartezeit nicht noch zusätzlich durch angestrengte gegenseitige Blicke zu erschweren, ist es, sich einen bestimmten Fixpunkt zu suchen. Suchen Sie sich also einen Punkt, auf den Sie sich auch länger konzentrieren können, ohne dabei Langeweile empfinden zu müssen. Etwas also, das Sie persönlich interessiert. Viele Amatuere benutzen hierfür ein Buch, was aber (wie gesagt) nur die unterste Stufe der Wartezeitüberbrückungskunst ist. Erfahrungsgemäß sind die eigenen Finger, oder (wenn man am Fenster sitzt) natürlich die Aussichten am fesselsten. Es sollte dabei jedoch auch unbedingt darauf geachtet werden, dass der gewählte Fixpunkt möglichst unauffällig ist! Sie sollten zum Beispiel lieber davon absehen, den Ausschnitt eines weiblichen Gegenübers dauerhaft zu begutachten, um zu überprüfen, ob die Bikini Trends 2011 noch erfüllt werden, da sie so selber überraschend schnell begutachtet werden könnten. Denken Sie immer daran: Sie müssen noch eine lange Zeit diesen speziellen Fixpunkt beibehalten, um nicht Gefahr zu laufen, sich einen neuen zu suchen, und dabei eventuell auf den Blick eines anderen treffen zu müssen.

Methode 2: Musik hören

Wenn sie die erste Methode fehlerfrei beherrschen, können Sie sich an die zweite Stufe herantasten. Aber seien Sie gewarnt! Viele Anfänger dieser Methode übernehmen sich zu leicht, und unterschätzen den erhöhten Schwierigkeitsgrad. Denn gerade, wenn man einen stabilen Fixpunkt gefunden hat, tappt man leicht in die Falle, zu vergessen, dass die anderen Busfahrgäste noch immer energisch nach etwas suchen, worauf sie sich konzentrieren können. Erinnern Sie sich, wie Sie ganz am Anfang waren. Deswegen dürfen Sie auch hier nie vergessen, nicht aufzufallen!

Also bedenken Sie: Ihre Musik darf erstens, nicht zu laut, und zweitens keiner soziokulturell nicht geduldeten Musikrichtung (wie z.B.: Heavy Metal, epische Filmmusik, Rap) angehören. Ihre Musik darf (wenn überhaupt) als angenehmes Geräusch wahrgenommen werden. Meister der zweiten Methode sind dazu in der Lage, die spontane Stimmung im Bus als Kriterium für ihre Musikauswahl zu begreifen. Erfahrungsgemäß lassen sich hier ruhige Loungemusik, Klassische (unbekannte) Werke, oder ein wenig Jazz empfehlen.

Methode 3 (Achtung! Nur für Profis geeignet!): Sich auf sich selbst konzentrieren

Falls Sie tatsächlich zu der ausnehmend geringen Anzahl von Menschen gehören sollten, die dazu im Stande sind, sowohl einen stabilen Fixpunkt zu finden als auch zu halten, und zudem sogar noch eine synergetisch positive Musikauswahl treffen zu können, dann sind Sie vielleicht auch bereit für die dritte Methode der Wartezeitüberbrückungskunst. Diese Methode ist jedoch weitaus spiritueller und erfordert eine große innere Ruhe, über die nur die wenigsten Menschen verfügen.

Zu allererst ist es sehr wichtig, dass sie den Prozess mit den ersten beiden Methoden einleiten. Achten Sie hierbei ganz besonders darauf keine Fehler zu machen, denn sie bilden die geistige Grundlage für das Folgende. Erfassen Sie nun Ihren exakten Platz im Geschehen des Busses und fühlen Sie sich in die systemischen Abläufe, ähnlich wie bei Methode zwei. Konzentrieren Sie sich nun auf ihren eigenen Körper, auf Ihr paar bunte Sneakers, auf Ihre Kleidung. Von besonderem Vorteil sind hierbei Kleider für alle Jahreszeiten, da sie geistig am leichtesten zu erfassen sind. Nachdem Sie diese Hürde überwunden haben fehlt nur noch der letzte Schritt: Denken Sie sich selbst als Teil des Busses, fahren Sie selbst die Straße entlang, spüren Sie das Brummen des Motors und lauschen sie den spirituellen Lauten der Busgemeinschaft und Sie werden Dinge hören, die Sie nie für möglich gehalten hätten! So vergeht die Zeit wie im Flug, einem Flug durch die metaphysischen Gefilde der Bussozietät...